Für viele Anwohner im Nürnberger Norden ist die Situation längst mehr als ein gelegentliches Ärgernis. In Ziegelstein, Almoshof und Lohe werden Wohnstraßen von Flugreisenden genutzt, die ihre Fahrzeuge teilweise über mehrere Tage oder sogar Wochen abstellen und anschließend mit U-Bahn, Taxi oder Fahrdienst zum Flughafen weiterfahren.
Das Thema wurde in den vergangenen Monaten mehrfach von regionalen und überregionalen Medien aufgegriffen. Berichtet wird von hohem Parkdruck, nächtlichen An- und Abreisen sowie zunehmendem Unmut bei den Anwohnern. Auch die von Anwohnern und Initiativen durchgeführten Beobachtungen und Zählungen weisen auf einen hohen Anteil auswärtiger Fahrzeuge hin.
Für die betroffenen Anwohner bedeutet das vor allem: Öffentliche Stellplätze werden über längere Zeit von Fahrzeugen belegt, die nicht zum jeweiligen Wohngebiet gehören. Gleichzeitig sind die Parkhäuser und Stellflächen am Flughafen für Reisende mit entsprechenden Kosten verbunden.
„Memminger Modell“ als Lösungsansatz
Als möglicher Lösungsansatz wird seit längerem das sogenannte „Memminger Modell“ diskutiert. Dabei werden Wohnbereiche als Haltverbotszone ausgewiesen und das Parken beispielsweise über eine Parkscheibenpflicht zeitlich begrenzt. Für Anwohner und weitere Berechtigte können entsprechende Ausnahmegenehmigungen vorgesehen werden.
Auch in Nürnberg wird inzwischen über einen solchen Ansatz diskutiert. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie das Dauerparken von Flughafenreisenden verhindert werden kann. Ebenso wichtig ist, dass eine Regelung für die Menschen funktioniert, die tatsächlich in den betroffenen Gebieten wohnen, dort arbeiten oder auf bestimmte Parkmöglichkeiten angewiesen sind.
FREIE WÄHLER schlagen „Memmingen+“ vor
Die FREIEN WÄHLER Nürnberg wollen das klassische Memminger Modell deshalb um einen praktischen Baustein ergänzen. Thomas Estrada und Dr. Robert Mahler haben am 1. Oktober 2026 einen Antrag zur Einführung des Modells „Memmingen+“ im Nürnberger Norden gestellt.
Ausgangspunkt soll das klassische Memminger Modell mit Haltverbotszone, Parkscheibenpflicht und Ausnahmegenehmigungen für Berechtigte sein. Die Verwaltung soll gleichzeitig prüfen, wie für Übernachtungsgäste von Anwohnern eine unkomplizierte und möglichst digitale, befristete Ausnahmegenehmigung geschaffen werden kann.
Denn eine Lösung gegen Flughafen-Dauerparker darf nicht dazu führen, dass Anwohner bei ganz normalen Besuchen selbst vor Problemen stehen. Wer beispielsweise Familienangehörige oder Freunde für mehrere Tage zu Gast hat, braucht eine praktikable Möglichkeit, sein Fahrzeug trotzdem in der Nähe der eigenen Wohnung abstellen zu können.
Anwohner schützen, ohne den Alltag unnötig zu erschweren
Für die FREIEN WÄHLER geht es deshalb nicht darum, das Parken im Nürnberger Norden generell zu erschweren. Ziel ist vielmehr, das längerfristige Abstellen von Fahrzeugen durch Flugreisende in den Wohnstraßen zu begrenzen und gleichzeitig den normalen Alltag der Anwohner, ihrer Besucher, Gewerbetreibenden und sozialen Dienste zu ermöglichen.
Genau deshalb sieht der Antrag auch vor, dass die Verwaltung mögliche rechtliche Hürden darstellt und gegebenenfalls alternative Lösungsvorschläge entwickelt, falls eine vollständige Umsetzung des Modells nicht möglich sein sollte.
Für die FREIEN WÄHLER ist entscheidend, dass aus den zahlreichen Beschwerden und der öffentlichen Diskussion konkrete Maßnahmen entstehen. Der Parkraum in den Wohngebieten rund um den Flughafen wird von den Menschen vor Ort benötigt – für ihren Alltag, ihre Besucher und ihre Arbeit.
Mit „Memmingen+“ liegt nun ein konkreter Vorschlag auf dem Tisch, der den Schutz der Anwohner mit praktikablen Ausnahmen verbinden soll.
Quellen / weiterführende Berichte:
BR24 – „Flugreisende blockieren Parkplätze um Flughafen Nürnberg“ vom 1. September 2026
Nürnberger Nachrichten / Nordbayern – Berichte vom 8., 10. und 18. September 2026
BR / Frankenschau aktuell – „Ärger um Flughafenparker in Nürnberg“, 2. Oktober 2026